Ariane 6-Fortschritt oder Rückschritt?

Bereits vor einigen Wochen stellte die ESA ihr erstes Konzept der neuen Trägerrakete Ariane 6 vor. Die Rakete soll nur einen Satelliten, im Gegensatz zur Ariane 5 befördern dafür aber deutlich billiger sein.

Künstlerische Darstellung der Ariane 6                                                              Quelle: ESA

Laut dem neuen Konzept wird die Ariane 6 einen Satelliten mit einem Gewicht von 3-6,5 Tonnen in den GTO (Geostationärer Transferorbit) bringen können. (Zum Vergleich: die Ariane 5 ECA kann zwei Satelliten mit insgesamt 9,6 Tonnen, die ME soll sogar ca. 11 Tonnen in den GTO bringen).
Dies sei ein Kompromiss zwischen institutionellen und industriellen Interessen. Ariane 5, Europas aktuell erfolgreicher Satellitenträger soll dann in den 2020er-Jahren von Ariane 6 abgelöst werden.

Zeichnung der Ariane 6                                                                                              Quelle: ESA

Die Ariane 6 ist eine fast komplette Neukonstruktion. Die erste Stufe soll aus drei Feststoffboostern á 135 Tonnen Treibstoff bestehen, die zweite Stufe besteht aus nochmal einem gleichen Feststoffbooster. Die Feststoffbooster werden dabei auf den Technologien der Vega-Rakete basieren. Erst die Oberstufe wird ein Flüssigtriebwerk besitzen. Diese soll eine angepasste Version der Ariane 5ME Oberstufe sein, die zur Zeit noch entwickelt wird. Dabei wird auch das kryogene Vinci-Triebwerk zum Einsatz kommen, welches den Vorteil der Wiederzündbarkeit hat. Die Nutzlasthülle soll dabei wie bei der aktuellen Ariane 5,4m im Durchmesser sein, wobei sie deutlich breiter ist als die zweite Stufe.
Soweit zu den technischen Fakten. Die Frage ist aber, warum setzt man auf ein Feststoff-Konzept? Nun die Rakete steht ganz unter dem Zeichen der Sparpolitik, denn es ist teuer kryogene Technik in Raketen einzusetzten. Zudem stehen mit den ersten beiden Stufen ganz klar die Industrieinteressen Frankreichs und Italiens im Vordergrund. Für die Produktion von Feststoffboostern hat Deutschland keinerlei Industriekompetenz. Lediglich die Oberstufe, welche aktuell in Bremen gebaut wird ist für Deutschland interessant. Dies bedeutet auch, das für den Standort Ottobrunn von EADS Astrium das bauen von Brennkammern, für den DLR Standort Lampoldshausen die Großtests sowie für mehrere weitere Unternehmen Aufträge sich verringern oder gar ganz verschwinden.
Der Grund für diese Entwicklung ist, das die Startkosten  massiv auf 70 Millionen Euro sinken sollen. Die Entwicklung der Ariane 6 wurde auf der Minnisterratskonferenz 2012 in Neapel beschlossen. Parallel dazu wird die Ariane 5 ME weiterentwickelt, die eine neue Oberstufe mit wiederzündbarem Triebwerk beinhalten soll. Deutschland hatte sich damals für die Weiterentwicklung der Ariane 5 stark gemacht, Frankreich jedoch für die Entwicklung eines neuen Trägers.
Meiner Meinung nach war dies ein Schritt Rückwärts. Feststoffbooster sind inzwischen eine alte Technologie, die zwar billig ist, jedoch auch gewisse Risiken birgt. Das auf den Erfahrungen der Ariane 5 nicht weiter aufgebaut, sondern ein Neuentwurf geplant wurde finde ich schwachsinnig. So verliert man Kompetenzen, wie z.B. den Umgang mit leistungsstarken kryogenen Triebwerken, wie dem Vulcain 2. Die Ariane 5 ist zuverlässig in Doppelstarts und kann auch noch große Satelliten in den Orbit bringen. Dies wird mit der Ariane 6 nicht mehr möglich sein. Natürlich ist es bei der steigenden Konkurrenz auf dem Satellitenmarkt wichtig, preisgünstig zu sein, jedoch hat die Ariane einen sehr guten Ruf. Mit diesem neuen Konzept geht man vielleicht auch das Risiko ein, den Ruf zu verlieren. Zudem wird gewonnenes Wissen nicht weitergeführt.
Ich hoffe, das sich am Konzept noch viel ändert und vor allem, das die Ariane 5 ME überzeugen kann. Auch sollte Deutschland danach schauen, was es in Zukunft für eine Rolle in Europas Raumfahrt spielt.

Hier geht´s zur Originalmeldung der ESA

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