Der Tag der Luft – und Raumfahrt in Köln

Am Sonntag, den 22. September hatte der DLR- und ESA-Standort Köln für alle Besucher geöffnet. Ab 10:00 Uhr konnte man in die zahlreichen Forschungslabore, das Europäische Astronautenzentrum und das neue :envihab gehen, Vorträge anhören und eine Flugzeugausstellung bewundern.IMG_0337

Als ich mit dem Shuttlebus ankam hatte sich  bereits eine beachtliche Schlange vor den Toren gebildet. Ab 10:00 Uhr ging es dann mit dem umfangreichen Programm los. Die erste Station war das Institut für Werkstoff-Forschung. Hier wurden die aktuellen Forschungen an einer Beschichtung für Triebwerksschaufel vorgestellt. Dabei wird eine neuartige pulverartige Mischung mit einem speziellen Verfahren aufgetragen. Damit ist die Schaufel gegen höhere Temperaturen gerüstet, was eine höhere Verbrennungstemperatur in der Brennkammer ermöglicht.

Weiter ging es in den Werkstätten des Systemhaus Technik, in dem es um den Prozess „vom virtuellen Produkt zum fertigen Windkanalmodell“ ging. Hier erklären Ingenieure CAD, die Fräs- und Drehmaschinen liefen und produzierten kleine Astronauten (waren später leider ausverkauft) sowie ein großes Modell eines Spaceshuttles.
Ein Highlight für mich dort war der „3D-Drucker“ für Metall. Bei dieser Technik wird – anders als beim Kunststoffdrucker zunächst das Metallpulver (z.B. Aluminium, Titan) aufgetragen und anschließend mit einem Laser verschmolzen. Dies wird Schicht für Schicht gemacht, bis das Produkt fertig ist. Dabei können gleichzeitig viele verschiedene einzelne Bauteile produziert werden. Zudem sind dabei komplett andere Bauteile möglich. So können nun gebogene Kühlkanäle, Hohlräume in den Körpern sowie ganz feine „Bohrungen“ an Stellen eingebaut werden, welche bei herkömmlichen Methoden nicht möglich ist. Auch bei der Festigkeit muss man sich wohl keine allzu großen Sorgen machen. Die Biegefestigkeit sei fast genau so groß, jedoch bei der Zugfestigkeit muss man noch forschen, jedoch wird gerade ein Pressverfahren zur besseren Festigkeit ausprobiert. Diese Technologie wird gerade für komplizierte Bauteile immer wichtiger werden.

Weiter ging es im Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik mit Plasmawindkanälen sowie den Hyper- und Überschallwindkanäle. Hier wurden Messmethoden für den Staudruck, Schlieren und Strömungen vorgestellt wurden. Auch hier war die Testeinrichtung beeindruckend.

Vom nächsten Stand war ich etwas enttäuscht. Es wurden auf der Übersichtskarte die „Triebwerke der Zukunft“ versprochen, jedoch habe ich dort nur ein Zelt mit einem aufgeschnittenen Triebwerk sowie mehreren Modellen von Schaufelanordnungen. Etwas wirklich visionäres entdeckte ich leider nicht.

Zwischendurch fanden immer wieder interessante Vorträge im Casino statt, so z.B. einer über die Rosetta-Mission, welche nächstes Jahr ihr Ziel erreicht. Hier gab es auch Infostände zu Jobs im DLR sowie zum Archiv und einen Tisch mit vielen interessanten Broschüren über das Raumfahrtmanagement.

Nun ging es für mich zu einem weiteren Highlight des Tages, der Flugzeugausstellung. Hier gab es von der Luftwaffe je einen Tornado, einen Eurofighter, einen Hubschrauber (von der Polizei zusätzlich einen) eine Transall sowie ein A330 MedEvac-Flugzeug. Zudem waren eine A319 und Bombardier Global 5000 von der Flugbereitschaft zu bestaunen. Neben der Luftwaffe stellte das DLR seine Forschungsflotte vor, vom kleinen DR 400/200R Remorqueur über die Dassault Falcon 20E bis hin zum Airbus A320-232 „D-ATRA“. (Fotos davon s.u.).  Dann gab es noch eine Boing von UPS und von FedEx. Das tolle daran war, das diese auch mal die Triebwerksverkleidung geöffnet hatte, was einen tollen Einblick ermöglichte. Leider gab es hier sehr lange Schlangen, obwohl man zunächst ein gutes Stück vom DLR-Gelände laufen musste. Der Überflug von einer A400 war ebenfalls toll, das versprochene Zero-G-Flugzeug war wohl inzwischen leider wieder abgereist.

Einige Bilder davon gibt es hier:

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Lange Schlangen gab es auch vor dem :envihab und dem Astronautenzentrum, sodass ich nun bei den anderen zahlreichen Zelten vorbeischaute. Es gab Infostände von ESA und DLR (mit tollem Promo-Material :D), von Zeitschriften, Astronomievereinen, Modell- und Raketenbauvereinen, usw. Zudem viele Essens- und Verkaufsstände und als weiteres Highlight Zelte in den man Autogramme von Astronauten bekommen konnte. Von Alexander Gerst konnte ich eines ergattern, von Hans Schlegel und Reinhold Ewald leider nicht. Eine tolle Möglichkeit die Astronauten auch mal persönlich zu treffen, welche eh sehr stark vertreten waren. So gab es viele Vorträge von Ihnen und Sie waren auch für Fragen offen.

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Neben diesen ganzen Möglichkeiten bildete die Radiobühne von WDR 2 mit Interviews und Musik auf dem ganzen Gelände einen tollen Hintergrund. So bekam man auch den erfolgreichen Weltrekordversuch mit wenn man nicht dort war. Es wurde einem Kranen ein 15t Lastwagen nur hochgehalten durch eine Scheckkarten-große Klebstoffschicht. Auch für Familien und Kinder gab es übrigens tolle Möglichkeiten und Programmpunkte.

Auch wenn ich es dem DLR und der ESA gerne gönne, dass so viele Besucher (30.000!) kamen, so hatte dies leider auch negative Auswirkungen. Das :envihab (mit 90min Wartezeit), das Kontrollzentrum sowie das Europäische Astronautenzentrum (vermutlich genau so lange Wartezeit) waren komplett überlaufen. Bis auf letzteres bin ich auch leider nicht in diese spannenden Institute gegangen, da ich mit der Zeit besseres anzufangen wusste. Sogar vor den anderen Forschungsinstitute gab es zeitweise Schlangen. Als ich dann kurz vor Ende noch in die Institute wollte waren diese bereits zu. Schade, vielleicht ein anderes mal.

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Als krönender Abschluss des Tages bin ich dann noch in die Vorführung des Tauchbeckens gegangen, in dem mit André Kuipers das Astronautentraining und die Sicherheitsvorkehrungen bei der EVA erklärt wurden. Da sich nun die Schlangen aufgelöst hatten, bin ich noch ins Astronautenzentrum. Hier gab es erst mal eine tolle Ausstellung von Raumfahrzeugen. Leider war die „Tour 2“ welche durch die ISS-Module führte bereits gut eine halbe Stunde vor Ende geschlossen. Aber man konnte noch in die Halle, wo gerade die Abschlussveranstaltung mit allen Astronauten stattfand. Das dort auch die ganze Zeit Veranstaltungen liefen wurde mir erst dann klar (dafür hätte man allerdings lange warten müssen um reinzukommen). Auch wenn das Betreten der Module nicht mehr möglich war, ist es doch mal ein besonderer Blick in die Halle gewesen. Nun hatten allerdings das envihab und das Kontrollzentrum ebenfalls schon geschlossen.

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Nach acht Stunden mit vielen neuen Eindrücken, tollen Informationen und etwas fertig und müde gingen nun alle vom Gelände und mit dem Schuttlebus zurück zum Bahnhof.
Zeitgleich kamen dann die Ergebnisse der Wahlen. Leider ließ mich dann die Deutsche Bahn mit der ICE-Heimreise im Stich, aber das ist eine andere Geschichte.

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Auf dem Gelände fand übrigens das SocialSpace-Treffen von ESA und DLR statt, bei welchem ich leider nicht dabei war, da ich mich erst recht spontan entschieden habe zum Tag der Luft- und Raumfahrt zu gehen.

Insgesamt aber muss ich sagen, dass der Tag der Luft- und Raumfahrt sich gelohnt hat. Einen solchen faszinierenden und interessanten Einblick in die Forschung, die Astronautenausbildung, Durchführung von Missionen und auch den ganzen Bereich der Luft- und Raumfahrt gibt es selten. Um es kurz zu sagen: Es war großartig! Vielen Dank DLR und ESA! Man sieht sich in zwei Jahren wieder!

 Hier noch einige Bilder vom Tag:

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Quelle: Eigene Bilder

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