titel_galileo_fehlschlag_2014-08-23

Update: Fehlschlag beim Start von Galileo

Am vergangenen Freitag, den 22. August startete um 14.27 Uhr (MESZ, 9.27 Uhr Ortszeit) von Kourou aus auf einer Russischen Sojus-Rakete und wurden in einen falschen Orbit ausgesetzt. Inzwischen gibt es mehr Details zum missglückten Start.Zunächst sah alles nach einem erfolgreichen Start aus, was z.B. Arianespace auch so verkündete.
Jedoch stellte sich nach dem aussetzen der Satelliten ein erstes Problem heraus, die Solarpaneele ließen sich nicht öffnen. Bei der darauf folgenden Untersuchung viel auf, dass sich die Fregat-Oberstufe nicht wie geplant um die eigene Achse gedreht hatte, um eine gleichmäßige Sonnenstrahlung zu erreichen und keine Überhitzung zu produzieren. Dazu stellte sich noch heraus, dass die Satelliten nicht den geplanten Zielorbit erreicht hatten. Geplant war ein zirkulärer MEO-Orbit in 23.522 km Höhe mit einer Inklination von 55,04°. Erreicht wurde hingegen ein eliptischer Orbit (Exzentrizität  0.23) 13721 x 25.917 km  mit einer Inklination von 49.7°.
Öffentlich bekannt wurde der Fehler erst durch die Bekanntgabe von den fehlerhaften Orbits von Seiten der USA, welche dies festgestellt hatten. Daten der ESA und CNES hatten dies wohl auch früher festgestellt, jedoch war keiner damit an die Öffentlichkeit gegangen, was durchaus zu kritisieren ist.
Nun konnte zumindest das Problem mit den Solarpaneelen gelöst werden, wie die ESA heute bekanntgab. Bei einem Satelliten wurden sie am Montagabend durch eine Prozedur geöffnet, der zweite soll bald folgen. Die Satelliten sind sonst auch in einem guten Zustand und funktionieren.
Die beiden Satelliten Galileo FOC (Full Oparational Capability) M1, SAT 5-6 mit einem Gewicht von 714.3 bzw. 715.3 kg wurden vom Bremer Unternehmen OHB gebaut und sollten die ersten zwei voll funktionsfähigen Satelliten der Aufbauphase werden.
Sie kosten ca. 40 Millionen Euro das Stück und waren nicht versichert. Die Rakete liegt wohl bei 70 Millionen.
Bereits 2011 und 2012 wurden vier Versuchssatelliten im Orbit platziert.
Es war der neune Flug einer Sojus von Kourou aus (VS09), die Rakete war eine  Sojus-2.1b(ST)/Fregat MT.
Vermutet wird weiterhin eine fehlerhafte Zündung und Ausrichtung der Oberstufe. Woher diese kommt ist noch unklar.
Die Oberstufe wurde in einen Friedhofsorbit gebracht und wie geplant abgeschaltet, die Treibstoffe abgelassen und Tanks Druck entlassen.
Die Satelliten können vermutlich nicht mehr mit eigener Kraft in den Zielorbit gelangen, Lösungsmöglichkeiten werden jetzt gesucht.
Prof. Dr.-Ing. Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des DLR und Kandiat für den ESA-Chefdirektorposten schrieb auf seinem Blog einen Artikel über den Fehlschlag.
Es war übrigens die erste deutsche Meldung von offizieller Seite.
Um den Vorfall zu untersuchen wurde nun eine unabhängige Untersuchungskommission gebildet. Die Mitglieder sind hier genannt.
Auch die EU-Kommission hat sich inzwischen Eingeschaltet und fordert Aufklärung. Das Projekt ist eine Kooperation zwischen EU-Kommission, ESA und Industrie. In Brüssel ist man mächtig stolz auf das europäische Flaggschiff Galileo. Es soll einen eigenen zivilen Zugang zu Satellitennavigation ermöglichen, ohne das militärische amerikanische GPS oder russische GLOSNASS. Bisher gab es jedoch viele Verzögerungen auf der Erde, durch den Fehlschlag beim Start wird das Projekt noch weiter zurückgeworfen. Sehr wahrscheinlich findet der zweite für dieses Jahr geplante Galileo-Start nun nicht statt.

Hier noch einige nützliche Links:
Arianespace Launch Press Kit (EN) mit den geplanten Daten

Arianespace Pressemitteilungen (EN/FR)

ESA Seite zu den Galileo-Starts

 

Ursprüngliche Meldung vom 23. August 2014 16:30:

Gestern Abend starteten die ersten beiden voll funktionsfähigen Satelliten von Galileo auf einer Sojus von Kourou aus. Was zunächst nach einem erfolgreichen Start aussah stellte sich in der Nacht als ein Fehlschlag heraus. Die Satelliten wurden auf einem falschen Orbit ausgesetzt.
Erst durch Daten des US-Militärs wurde im Laufe der Nacht klar, dass die Satelliten mit einer falschen Inklination (Abweichung ca. 5°) und daher auch einer falschen Bahnhöhe ausgesetzt wurden. Die Ursache liegt wohl in einer falschen Ausrichtung der Fregat Oberstufe bei der Orbitzündung.
Die Satelliten selber sind voll funktionsfähig. Da bei einem Navigationsnetzwerk jedoch jeder Satellit seine vorbestimmte Position hat und diese auch eingehalten werden muss, kann es sein, dass diese Satelliten nur noch eingeschränkt genutzt werden können. Es ist bisher noch nicht klar, ob die Satelliten mit dem bordeigenen Antrieb eine solche Abweichung ausgleichen können.
Der Vorfall wirft das Galileo Projekt nun weiter zurück, da es schon einige Jahre im Verzug ist.
Nun kommen einige Fragen auf, zunächst einmal wie der Fehler in der Oberstufe zustande kam. Es wird ein Programmfehler vermutet, welcher bei der Qualitätskontrolle nicht aufgefallen war.
Weiter ob man auch weiterhin Sojus-Rakete verwenden soll. Abseits der aktuellen politischen Lage ist die Frage zu stellen, ob man das Sojus-Programm nicht einschränken oder ganz einstellen sollte und wieder auf die erfolgreiche Ariane 5 zurückgreift, welche eh bereits für kommende Galileo Flüge eingeplant ist. Ariane 5 kann auf eine lange Erfolgsgeschichte zurückblicken und wurde komplett in Europa entwickelt und gebaut. Die Oberstufe für Galileo-Starts wurde zwar noch nicht im Einsatz getestet, jedoch flog deren sehr ähnliche Vorgängerversion das Ariane 5-ES ATV bereits fünfmal erfolgreich ins All. Die Fregat hatte dagegen in den letzten Jahren schon mal Probleme.

Es ist ein Trauerspiel für Europas Raumfahrt, dass man auf russische Raketen zurückgreift und ein Fehlstart der eigenen Satelliten nicht mit eigener Technik feststellt. Gerade bei einem solchen europäischen Prestigeprojekt ist es wichtig, dass man der Welt zeigt, wozu man fähig ist. Europa fehlt hier noch der Wille dazu.

Bildquelle: ESA

2 Gedanken zu „Update: Fehlschlag beim Start von Galileo“

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