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Filmrezension: Gravity

Auch wenn es eine Weile gedauert hat, bis ich den Film sehen konnte, hat sich das Warten gelohnt. Um es in einem Satz zu sagen: Was für ein Schmaus für die Augen und Ohren! Die Story fand ich dagegen nicht so sehr berauschend.

Als ich den ersten Trailer zu Gravity Anfang des Jahres gesehen habe war ich sofort hellauf begeistert. Der erste Raumfahrtfilm aus Hollywood, der einigermaßen realitätsnah zu sein schien seit „Apollo 13“ von 1995 (!). Insofern wartete ich gespannt, schaute die Trailer voller Vorfreude an. Um was es geht ist relativ schnell erzählt: Auf der Shuttle Mission STS-157 wird das Hubble-Weltraumteleskop repariert. Dabei sind die drei Astronauten Kowalski, ein Weltraumveteran auf letzter Mission, Dr. Stone, ein noch sehr unsicher wirkender Neuling und Warren auf einer EVA als ein russischer Satellit von einer Rakete zersört wird und dadurch eine Kettenreaktion auslöst, bei der ein Trümmerfeld entsteht, das auf das Shuttle zudriftet. Die Mission wird umgehend abgebrochen, das Hubble schnell abgetrennt und die Astronauten versuchen in das Shuttle zu kommen. Durch die Trümmer wird Astronaut Warren tödlich getroffen und das Shuttle, ebenfalls getroffen gerät in Rotation und mit ihm Dr. Stone. Sie mach sich los um den großen Kräften zu entkommen und driftet ins All ab. Es beginnt ein Überlebenskampf gegen das Vakuum des Weltalls und die Zeit. Den Trailer gibt´s hier:

Leider verrät der Trailer für meinen Geschmack schon zu viel. So werden geniale Lösungsansätze vorweggenommen und auch so manch spannender Moment schon gezeigt. Schade, denn das rächt sich später beim Sehen des Films.

Der Film selbst ist erstmal überwältigend. Es wird in Texteinblendungen die leere und lebensfeindlichkeit des Weltalls dargestellt. Dann folgt der Atemberaubende Blick auf die Erde. Langsam schwebt man zu den Astronauten, schaut ihnen bei ihrer Mission zu bis das Unglück über sie hineinbricht. Kein einziger Schnitt stört einen dabei, man hat das Gefühl mit den Astronauten über der Erde zu schweben. Die Gefahr kommt plötzlich und schlägt mit atemberaubender Gewald zu. Dabei wird eine weitere Qualität des Films klar: die Gesetze des Weltalls werden beachtet. Sprich: keine gewaltigen Einschläge, kein Knall. Das Shuttle rotiert unaufhaldsam weiter, um anzuhalten muss man gegensteuern, das Rückstosprinzip wird wirklich bemerkenswert gut beachtet.
Vom Film selber her ein atemberaubend, gigantisches Weltraumabenteuer, das leider bei der Story klare einbusen hat. Hier habe ich die einzelnen Punkte bewertet:

Bild
Um es mit einem Wort zu sagen: Überragend
Die Erde und das All in 3D sieht man wunderschön unter sich, gestochen scharf, man hat das Gefühl mitzufliegen. Auch wenn diese Computeranimiert ist (solch scharfe Aufnahmen in 3D gibt es leider noch nicht in Original) wirkt sie authentisch. Auch die Raumfahrzeuge wirken davor wunderbar. Der einfach wunderschöne Sonnenaufgang macht es nochmals deutlich, wie gut das Bild für den Film gewählt wurde. Es ist fast nicht zu beschreiben, ich finde der Film hat es geschafft, die Schönheit des Weltalls wiederzugeben. Daher gebe ich für das Bild volle 10/10 Punkte.

Sound
Steht dem Bild in nichts nach. Über die Synchronisation (engl. Originalfassung) gibt es nichts zu bemängeln. Bemerkenswert finde ich, dass die Stille des Weltalls wirklich eingehalten wird. Gewaltige Explosionen verlaufen vollkommen ohne Knall, ebenso hört man den Einschlag von den Trümmern nicht. Lediglich die Funksprüche durchbrechen die Stille des Alls. Doch wie kann dann der Sound gut sein mag man sich fragen. Die Antwort darauf bietet der Soundtrack. Die Musik spiegelt das gesehene wieder, so z.B. das ankommende Trümmerfeld, ein bisschen auch die Einschläge, und vorallem den Weltraum mit der wunderschönen Erde. Aber es gab in dem Film auch Momente, wo wirklich alles Still war und man nur das Bild genießen konnte. Ein seltener, aber bemerkenswert eindrucksvoller Augenblick im Kino. Auf für den Sound gibt es von mir daher 10/10 Punkten.

Story
Hier wird der Schwachpunkt des Filmes deutlich. Die folgenden Bemerkungen enthalten Spoiler:

Erstmal muss man sagen, die Grundvoraussetzung könnten nicht besser sein, ein erfahrener Astronautenveteran, der seine letzte Mission hat und das Weltraum voll genießt. Er weiß wie es läuft, ein besonnener Abenteurertyp der auf der Jagd nach dem Weltrekord ist. Er erzählt sehr gerne von alten Missionen, hat etwas väterliches.

Auf der anderen Seite die junge Dr. Stone. Sie ist genau das gegenteil. Unerfahren, aufgeregt, auf ihre Arbeit konzentriert. Dabei scheint sie allerdings nicht so intelligent wie man vermutet. Sie kennt sich nicht mit allem aus, ist etwas unvorbereitet und traut sich nicht besonders viel zu.

Diese zwei Hauptcharaktere bilden eigentlich eine schöne Grundlage. Doch Kowalski wird viel zu früh aus dem Film verabschiedet. Er verschwindet dann sogar so aus dem Film, das man ihn eher als Nebenrolle bezeichnen könnte. Sehr schade denn er schafft es nicht Dr. Stone ausreichend vorzubereiten. Er weißt ihr zwar den Weg, hat aber einen wie ich finde viel zu unspektakulären Abtritt. Clooney hat eine brilliante schauspielerische Leistung um dem zu wenig ausgemalten Charakter das nötige Aussehen zu geben.
Dr. Stone hingegen hat zu wenig Entwicklung. Das wird mir besonders bei der Szene in der Soyus-Kapsel deutlich wo sie sich umbringen will und nur durch den im Traum erschienenen Kowalski wieder neuen Lebenwillen und Ideen bekommt. Es kommt nicht von ihr. Von der anfänglich weinerlichen Anfängerin wandelt sie sich kaum. Das was man am Ende eigentlich sehen soll, eine Frau, die ihre Probleme beseitigt hat, den unbedingten Überlebenswillen in sich sieht man nicht. Es ist für mich eine zu schwache Entwicklung. Das Maximum davon wird auch von Sandra Bullock herausgeholt, jedoch reicht es mir nicht den zerbrochenen Charakter wieder aufleben zu lassen.

Die Story selber ist sehr geradlinig und einseitig. Leider auch leicht vorauszusehen und auch aus dem Trailer zu erahnen. Sie ist folgendermaßen zu beschreiben:
-Treiben im All (erster Schock
-Space Shuttle (zweiter Schock)
-ISS und Verabschiedung Kowalskis (dritter Schock)
-Soyus und Tiefpunkt
-Tiangong
-Heimkehr

Dabei kam für mich nicht wirklich richtige Spannung auf. Ich habe nicht so sehr mit Stones mitgelitten wie ich es erwartet hätte. Die Spannung, welche man bei Apollo 13 hat gibt es hier leider nicht. Dafür ist die Handlung zu sehr auf den Charakter ausgerichtet und zeigt keine Nebenhandlungen oder -charaktere.

Eine der tollen Spezialitäten ist dabei auch gleichzeitig ein Schwachpunkt. Die Geschichte handelt nur von diesen zwei Charakteren, bzw. eigentlich nur um Dr. Stone. Dabei bezieht sich der Film allein auf die aktuellen Entwicklungen im All. Das gibt ihm und den Charakteren nicht die benötigte Tiefe. Andererseits hat man somit die ganze Zeit nur das All und die Isolation im Blick. Mir gefällt das nicht so gut, manch anderer mag das anders sehen.

Zusammenfassung: Die Story ist zu einseiteig, es gibt keine Nebenhandlung und die Charakterentwicklung ist zu wenig vorhanden. Daher gibt es nur 5/10 Punkten.

Realitätsnähe
Etwas was ich dem Film hoch anrechne ist die Realitätsnähe. Ich hatte eigentlich zunächst ein Desaster diesbezüglich erwartet, bin aber sehr positiv überrascht worden. Trotzdem, wenn man Fehler sucht findet man sie. Das stört aber bei diesem Film überhaupt nicht.

Da ist zunächst die physikalische Seite: Das Rückstoßprinzip ist sehr gut beachtet worden. Das hat mich echt überrascht, das sieht man nicht oft. Insbesondere die Idee mit dem Feuerlöscher fand ich genial, jedoch wird diese auch aus dem Trailer vorgegriffen. Insbesonders das Verhalten von den Raumschiffen beim Trümmerbeschuss ist genial gemacht. Auch das Drehen von Dr. Stone usw. machen das ganze sehr glaubwürdig.
Dann ist da die bereits angesprochene Stille des Weltalls. Selbst das Lösen von Schrauben mit einem Akkuschrauber hört man nur als unterschwelliges Dröhnen. Einfach toll. Insbesonders als Stones am Ende auf der Erde wieder ankommt und die Schwerkraft wieder spürt wird der Realitätssinn des Regiseurs deutlich
Was mich auch überzeugt hat sind die Modelle der Raumschiffe und deren Innenausstattung. Für mich als Raumfahrtfreak war das neben der tollen Erde der zweite Augenschmaus, besonders in 3D! Auch die Bedienung dieser wirkte weitgehend authentisch. Das Szenario mit dem Weltraumschrott ist schon realistisch, allerdings nicht in so kurzer Zeit. Insgesamt war es sehr realistisch und schön anzusehen, sodass ich den Film in diesem Punkt genießen konnte.
Wer Fehler sucht, bitteschön:
-Die Flughöhe der ISS ist falsch, denn ca. 600 km sind zu hoch
-Das Shuttle, ISS und Tiangon so nahe beieinander auf einem fast gleichen Orbit unterwegs sind ist nicht richtig
-Das sich die Schirme der Soyus im All öffnen ist beinahe unmöglich
-Astronauten auf EVA ohne Safer gibt es nicht
-Der Wiedereintritt der Shenzhou
-Der Sauerstoff von Stones geht erst zu schnell zur Neige, dann reicht er noch Ewigkeiten.
Das waren allerdings Punkte, die ich angesichts des Films vergessen konnte und nicht sonderlich gestört haben. Insgesamt war ich positiv Überrascht.

Aussage
Neben der einfach Aussage „kämpfe, dann kommst du ans Ziel“ bietet der Film nicht nur für die Zuschauer eine recht normale Aussage, sondern eine recht faszinierende für die Raumfahrt. Es ist eine Warnung. Denn war dort beschrieben wird ist nichts anderes als das Ende der bemannten Raumfahrt. Das es mit dem Weltraumschrott ein Problem geben könnte. In diesem Film wird der Kollaps, die Kettenreaktion gezeigt und dessen Folgen sehr dramatisch dargestellt. Insofern macht der Film auf die Weltraumschrottproblematik aufmerksam.

Empfehlung
Ich empfehle den Film klar für:
-Apollo 13-Fans
-Weltraumfans, die sich an Detailfehlern nicht stören lassen und den tollen Blick und die Raumschiffe genießen möchten
-„normale“ Zuschauer, die tolle Bilder sehen möchten.

Fazit
Der Film ist auf der einen Seite ein wahres Seh- und Hörerlebnis. Andererseits ist die einseitige Story und mangelnde Charakterentwicklung der große Schwachpunkt des Films. Die 90min waren aber deutlich zu kurz, man hätte noch mehr zeigen können und somit mehr Spannung aufbauen. Diese kam eindeutig zu wenig rüber.Trotzdem hat er mich recht gut unterhalten.

Parallelen zu Apollo 13
In dem Film fand ich einige interessante Parallelen zum alten großartigen Weltraumabenteuer Apollo 13.
Zum einen die Story. Die Astronauten sind gerade auf ihrer Mission, als plötzlich unerwartet das Unglück über Sie hineinbricht.
Auch gibt es den Traum, in dem die Klappe geöffnet wird.
Und zu guter letzt: Ed Harris (Flight-Director in Apollo 13) spricht die Stimme von Houston.

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